Musikalische Merkmale der Epochen der Musik und Kompositionstechniken
| Musika- lische Gestal- tungs- mittel |
Spätromantik | Impressionismus | Expressionismus | Klangzentrum |
| Aus- druck |
gefühlvoll, leiden-schaftlich, übertrieben |
schwebend, leicht, nebulös, unbekümmert, verschleiert |
aggressiv, „schräg“, vordergründig, „...geht einen an...“, aufrüttelnd |
meist sehr puristisch, atonal-unklar, reduktiv |
| Melo- dik |
weite Melodien, großer Tonraum, große melodische Bögen, Melodie bestimmend |
Melodie noch vorrangig, zunehmend unabhängig, Pentatonik, Kirchen- tonarten, Chromatik, Ganztonleitern |
frei- bzw. atonal, Bi- u. Polytonalität, Melodie tritt zurück, häufig nur noch Melodiefetzen bzw. -einwürfe |
atonal, kürzeste Melodiegesten, stark reduziert auf das Notwendigste, der Kern-Aussage untergeordnet |
| Harmo- nik |
tonal, Kadenz-erweiterungen und –auf-dehnungen mit stetiger Rückführung, erweiterte Kadenz mit Zusatz- funktionen, leichte Dissonanzen (werden meist in Konsonanzen aufgelöst), Zwischen-dominanten, verm. u. Sept-Akkorde, Chromatik, Alteration |
zunehmend dissonant, aber tonal orientiert, (auch dissonante) Intervalle und Akkorde bleiben als Farbwerte (nebeneinander) stehen |
sehr dissonant, Emanzipation der Dissonanz, Dissonanzen werden nicht mehr aufgelöst, häufig Akkorde in enger Lage (starke Strebe- und Spannungs-wirkungen) | struktureller Übergangs-versuch von tonalem zu atonalem Zentrum als Orientierungs-punkt des Stückes, dissonante Spannungs-akkorde (z.B. Quartenakkord) als „neue ordnende“ Zentren, sparsamer Harmonie-gebrauch |
| Rhyth- mik |
traditionelle Rhythmik, orientiert an der Klassik, Akzent-verschiebungen, Rubato-Stil |
Taktschwer-punkte „verschwinden“ durch Synkopierungen u. Überbindungen, ungewöhnliche Taktarten | hämmernd, bestimmend, Polyrhythmik, viele Taktwechsel, unregelmäßige Taktarten, ungewöhnliche Betonungen | traditionell, sehr hintergründig, wirken häufig a-metrisch, der Kern-Aussage des Stückes unterworfen-reduziert |
| Dyna- mik |
gegensätzlich, z. T. Stufen-dynamik von pp - ff |
wie Romantik | scharfe Gegensätze, extreme Lautstärken u. dynamische Akzentuierungen, ppp - fff |
häufig geringe Dynamiken, reduktiv |
| Instru- mente |
Klass. Sinfonie-orchester mit Erweiterung der Bläsergruppe, virtuose Solo-instrumente |
Vergrößerung durch Bläser, viele weiche u. warme Instrumente, exotische Instrumente, Harfe, Celesta |
sehr große Orchester, Erweiterung des Blechblas- und Schlagwerk-apparates, schrille instrumen- tierungen |
sehr einfach, reduktiv, häufig solistisch |
| Form | Erweiterung der SHF, Programm-musiken, virtuose Solostücke |
kaum Orientierung an traditionellen Formen, Programm-musiken | neue Formen, bewusster Bruch mit Traditionen |
einfache Kleinformen |
| Ver- treter |
Schumann, Liszt, Chopin, Tschaikowski, Brahms, Wagner, Grieg, Smetana, Berlioz, Mendelssohn, Bruckner, Mahler |
Debussy, Ravel, | Strawinsky, Schönberg, Bartok | Schönberg |
| Musika- lische Gestal- tungs- mittel |
Dodekaphonie | serielle Musik | Aleatorik | Klangflächen | Minimal Music |
| Aus- druck |
verwirrend, ziellos, atonal-„schräg“ |
planlos, improvisiert, zufällig |
dicht, teilweise konfus, flächig | flächig, wiederkehrend, gefällig, einfach, meditativ |
|
| Melo- dik |
atonal, Zwölftontechnik, R-K-U-UK mit Transpositionen auf chromatische Tonleiterstufen |
s Dodekaphonie | atonal, dissonant, Geräusche, zufällig, Notationsarten: traditionell od. grafisch | kaum differenzierbar, viele übereinander geschichtete Klein-melodiken, Auflösung der diatonischen Grundlegung durch glissan-dierende Flächen und Melodie-bewegungen | einfach kleine Melodiepattern – neue Einfachheit, ständige Wiederholung mit geringfügiger Ergänzung |
| Harmo- nik |
dissonant, teilweise noch Dreiklänge vorhanden (ergeben sich aber aus Reihentechnik) mit meist dissonanten Intervallen (ü3, v3) | s. Dodekaphonie | dissonant, „Musik ohne Töne u. Akkorde“, Cluster, Collagen | dissonant, aus melodischen Kleinstbewegungen und deren Schichtung à Clusterbildung |
konsonante Orientierung, kaum harmonische Bewegung, Durakkord mit hinzugefügten Tönen (spannungslos) |
| Rhyth- mik |
traditionell | traditionell, in Reihentechnik eingebunden | traditionell, zufällig | traditionell, flächig | gleichförmig, pulsierend, Pattern |
| Dyna- mik |
traditionell | traditionell, in Reihentechnik eingebunden | traditionell, zufällig | traditionell | gleichförmig, |
| Instru- mente |
Orchester-erweiterungen (Bläser- u. Schlagwerk), Solo- oder Kleinbesetzungen | s. Dodekaphonie | neuartige Behandlung von Instrumenten und der menschlichen Stimme, ungewöhnliche Spielweise | traditionell, elektronische Ton- und Klang-erzeugung | traditionell, Verwendung von Tonträgern und elektronischen Instrumenten |
| Form | frei, teilweise Anlage an traditionelle Formmodelle |
s. Dodekaphonie | frei | frei | kunstlos, leicht fassbare und überschaubare Strukturen, wenig differenziert |
| Vertreter | Schönberg, Berg, Webern | Boulez, Messiaen | Stockhausen, Brown, Cage | Ligeti, Penderecki | Pärt, Reich |

